Die Brustzeichnung ist ihr Markenzeichen: Die Süddeutsche Latztaube

Allzu häufig sieht man sie außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat Württemberg nicht – die Süddeutsche Latztaube. Das ist eigentlich schade, da die Süddeutsche Latztaube in ihrem eher schlichten Erscheinungsbild doch ganz dem Trend zur Natürlichkeit entspricht.
Sie zählt zur Rassengruppe der süddeutschen Farbentauben und wird deshalb auch vom zuständigen Sonderverein betreut.
Obwohl auch bei ihr die Forderung nach einer kräftigen , veredelten Feldtaubengestalt besteht, hat die Süddeutsche Latztaube doch, wie kaum eine andere süddeutsche Farbentaubenrasse, ihre figürlichen Besonderheiten. Sie wirkt eher gedrungen, etwas tiefstehend und ist dennoch nie Gefahr gelaufen, zu klein zu werden. Genau das Gegenteil ist der Fall. Süddeutsche Latztauben zählen mit zu den kräftigsten süddeutschen Farbentauben überhaupt. Vielleicht wird man der Süddeutschen Latztaube am ehesten gerecht, wenn man sie als figürlich kompakt beschreibt. Trotz allem scheint auch sie nicht davon befreit zu sein, in der Schwanzpartie etwas in die Länge zu “schießen ” und damit das richtige Schwingen – Schwanzlängen – Verhältnis zu stören.
Im Interesse der Rasse sollten wir Züchter und Preisrichter dieses Problem gleich von Anfang an im Auge behalten und nötigenfalls bekämpfen. Welche Schwierigkeiten sich daraus ergeben, ist uns von anderen Rassen durchaus bekannt. Wie schwer der richtige Pfad züchterisch wieder zu erreichen ist, sollte uns deshalb hierin zu einer gewissen Konsequenz anhalten.
Eine weitere figürliche Besonderheit ist die unabdingbare Forderung nach einer gewissen Brustbreite. Sie ist für die korrekte Ausbreitung des namengebenden Zeichnungsmerkmals unverzichtbar. Hierin hebt sie sich auch vom Süddeutschen Mohrenkopf ab, der hier nicht ganz so breit erscheint.
Doch neben der Figur hat die Süddeutsche Latztaube weitere Besonderheiten, wie man sie bei keiner anderen süddeutschen Farbentaube findet, und zwar die Kopfpunkte, oder genauer gesagt, die Haubenstruktur. Wie die meisten süddeutschen Farbentauben muss auch die Süddeutsche Latztaube eine federreiche, freistehende und hochsitzende Rundhaube aufweisen. Während die Rosettenmitte bei den meisten Rassen idealerweise in Ohrenhöhe sitzt, ist dies bei unseren Latztauben höchstselten einmal erreichbar. Die Gründe hierfür sind wohl in der Forderung nach einer idealen Zeichnung zu sehen. Seltsamerweise werden von vielen Züchtern und Preisrichtern diese Zusammenhänge ins Reich der Fabeln verbannt. Doch kaum haben sie einige Paare Latztauben im Schlag, stehen sie mit unabdingbarer Konsequenz hinter der Tatsache. Aber, wie sieht es denn nun aus?
Als Grundlage muss man erkennen, dass die Süddeutschen Latztauben zu den Brüstern gehören und die Thüringer und Sächsischen Brüster wohl die direkten Verwandten darstellen. Bei diesen Rassen wird die Brustzeichnung bis zum Brustbein gefordert. Damit einher, geht die Forderung nach einem farbigen Hinterhals. Geht die Brustzeichnung zurück, wird auch der Hinterhals mit mehr oder weniger weißen Federn durchsetzt erscheinen. Anders sieht es hingegen bei den Süddeutschen Latztauben aus. Bei ihnen ist der weiße Hinterhals und eine weiße Rundhaube eine standardmäßige Gesetzgegebenheit. Hinzu kommt, dass die Latzzeichnung bis in Höhe des Flügelbugs gehen soll. Wie wir von den Brüstern her wissen, ist eine tiefere Latzzeichnung bei weißem Hinterhals und Haube nicht möglich. Bei einem Latz in Latztaubengröße, muss man aber einen etwas tieferen Rosettensitz in Kauf nehmen, um sie weiß zu erhalten. Beim Süddeutschen Mohrenkopf ist es kein Problem. Der Latz geht bis zur Mitte des Halses und damit ist die weiße Haube auch bei hohem Rosettensitz zu halten.
Die Latz- beziehungsweise Brustfarbe hat die Tendenz sich gegen den Hinterhals auszubreiten. Das züchterische Können besteht also darin, eine genügend große Latzzeichnung bei möglichst hohem Rosettensitz zu erreichen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die geforderte Latzgröße bei in Ohrenhöhe sitzenden Rosetten, dieses farbig nach sich ziehen würde. Wir kommen also nicht umhin, wenn wir die Latzgröße typisch erhalten wollen, einen etwas tieferen Rosettensitz zu akzeptieren. Damit können wir ganz gut leben, wenn wir züchterisch auf einen genügenden Federreichtum und eine lange Haubenfeder achten. Probleme bereitet natürlich der Haubenkamm, der bei tiefer sitzenden Rosetten nie so breit sein kann, da sie mehr in den Hinterhals hineinragen. Auf eine genügende Zentrierung, also Chrysanthemenförmigkeit, ist natürlich zu achten.
Wie bereits beschrieben, soll die Zeichnung das Kopfgefieder bis zur Haube und den farbigen Latz bis in Flügelbughöhe umfassen. Besonders schön wirkt die Zeichnung, wenn der Latz nach unten breiter wird und schön abgerundet erscheint. Die Länge allein ist nicht ausschlaggebend und lässt die Zeichnung, wenn nicht genügend Breite vorhanden ist, nicht voll zur Geltung kommen.
Das übrige Gefieder ist soll reinweiß sein. Doch wie wir von den Brüstern her kennen, ist etwas Säumung im Schwanzgefieder bei Jungtieren aller Farbenschläge zu dulden. Bei den Schwarzen und Blauen kommt man auch bei den Alttieren um etwas Nachsicht nicht umhin. Das fällt dem Preisrichter aber nicht schwer, da dies auch vom Standard her erlaubt und toleriert wird.
Die Augenfarbe muss dunkel sein und sollte beachtet werden. Tiere mit Augenfehlern sind unter allen Umständen von der Zucht auszuschließen. Die Randfarbe, die der des Kopfgefieders angepasst erscheint, bereitet, wenn überhaupt, nur bei den Schwarzen Schwierigkeiten.
Ernste Probleme gibt es hingegen bei der Schnabelfarbe und hier vornehmlich bei den Gelben. Bei den Schwarzen und Blauen muss er schwarz, bei den Braunen möglichst dunkel sein. Die Gelben sollen hingegen eine hell- bis hellhornfarbige Schnabelfarbe aufweisen. Bei genetischen Paarungsversuchen hat der Österreicher Andreas Leiss nachgewiesen, dass es sich bei den braunen und gelben Süddeutschen Latztauben um genetisch rot- beziehungsweise gelbfahle Tiere handelt. Die Intensität der Halsfarbe ist bei ihnen so stark, dass das Kopfgefieder ebenfalls farbig erscheint. Damit ist auch eine verstärkte Pigmentierung des Schnabelhorns verbunden. Für die Braunen heißt das, dass die Schnabelfarbe fast schwarz, bei den Gelben eher hornfarbig ist. Zusätzlich ist bei ihnen die Schnabelspitze gerne dunkler. Zu umgehen ist dieses Manko nur, wenn wir in der Farbintensität Abstriche hinnehmen. Bei den gelben zeigt sich dies zumeist in einer hellen, melierten Kopf- und einer stark aufgehellten Kehlfarbe. Ich vertrete hierin die Ansicht: Lieber eine satte Latz- und Kopffarbe und eine etwas angelaufene Schnabelfarbe, was das kleinere Übel ist.
Die anerkannten Farbenschläge umfassen das bekannte Brüsterspektrum, also braun, gelb, schwarz und blau. Braun deshalb, da es sich um “Rotfahle” und keine “rezessiv Roten”, wie beispielsweise bei den roten Mohrenköpfen handelt.
Die Farbenschläge wünscht man sich mit Ausnahme der Blauen, die hell und gleichmäßig sein sollen, satt und glanzreich. Vor allem die Braunen sollen glanzreich sein und im Idealfall Rotglanz aufweisen. Die Kehlfarbe ist bei den Braunen und Gelben als guter Parameter für die Farbintensität zu sehen.
Die Süddeutschen Latztauben sind wie die Süddeutschen Blassen in Glattfüßig und mittellang belatscht anerkannt. Während bei den Glattfüßigen wirkliche Spitzentiere, und das in allen Farbenschlägen, vorhanden sind, ist die Qualität der Tiere mit Fußbefiederung recht unausgeglichen. Obwohl die züchterischen Bemühungen schon Spitzentiere für diese Rarität entstehen liesen, ist der qualitative Fortschritt auf breiter Basis noch nicht gelungen. Die Ursache liegt wohl darin, dass sich außer dem Verfasser meines Wissens nur ein Züchter mit dieser Varietät als Hauptrasse angenommen hat. Hier besteht dringendst Nachholbedarf. Die Fußbefiederung sollte nicht allzu lang, dafür schön abgedreht und überbaut sein. Doch müssen wir hier noch Nachsicht walten lassen. Die charakteristische Zeichnung und ein korrekter Haubenaufbau haben weiterhin oberste Priorität.
Auch sieht man bei den Braunen und Gelben belatschten Latztaube zuweilen noch pigmentierte Schwanzfederkiele, die weiterhin züchterisch zurückgedrängt werden müssen.
Absolute Spitze sind die belatschten Latztauben in der Zucht. Zwei Jungtiere pro Gelege und das vier- bis fünfmal im Jahr sind normal. Aufgrund der derzeit vorhandenen Qualitätsstreuung ist dies aber auch unabdingbar, um wenigstens ein paar Tiere für die Ausstellung zu erhalten.
Konstanter in der Vererbung sind die Glattfüßigen und deshalb für den Anfänger vielleicht besser geeignet. Fühlt sich jedoch ein Zuchtfreund berufen, zum quali- und quantitativen Aufschwung der belatschen Latztauben beizutragen, so ist er unter den Züchtern herzlich willkommen.
Das Hauptanliegen dieses Beitrages ist es aber, die schönen Süddeutschen Latztauben den Züchtern in Erinnerung zu rufen und ihnen, den eher seltenen unter den süddeutschen Farbentauben, auch in Zukunft, unter der Flut der Neuanerkennungen, den ihr angestammten Platz innerhalb der Rassetauben zu sichern.

Wilhelm Bauer

 

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Autor: admin
Datum: Mittwoch, 2. März 2011 16:38
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