Geschichte des SV

Der Verein der Züchter Süddeutscher Farbentauben mit Sitz in Stuttgart, Sonderverein wurde man erst später, wurde am 23. Juni 1946 in Stuttgart – Wangen im Gasthaus zum Löwen gegründet – wiedergegründet wäre vielleicht der bessere Ausdruck.

Verschiedene Rassen Süddeutscher Farbentauben im Jahr 1925
Verschiedene Rassen Süddeutscher Farbentauben im Jahr 1925

Hierzu muss man in die Geschichte gehen. Im Jahr 1899 wurde ein Verein schwäbischer Taubenzüchter mit Sitz in Stuttgart gegründet, der vor allem die süddeutschen Farbentauben vor dem Aussterben bewahren wollte. Der Apotheker Heinrich Baier aus Pasing, Verfasser der Monografie “Die süddeutschen Farbentauben” (1. Auflage 1914, 2. Auflage 1920) und Vorsitzender des Vereins schwäbischer Taubenzüchter führt dazu in der 1. Auflage aus: “… der vor 15 Jahren gegründete Verein schwäbischer Taubenzüchter hat sich erfreulicherweise zur Aufgabe gemacht außer der Pflege und Vervollkommnung der Rassetaubenzucht speziell die annähernd dem Aussterben nahe Zucht der süddeutschen Farbentauben zu pflegen, zu heben, wieder zu Ehren bringen und aus dem kleinen Bestand etwas Gutes herauszuzüchten.”

Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass neben unseren heutigen süddeutschen Farbentauben auch die Startauben, Gimpeltauben, glattfüßig gehämmerten Eistauben (Forellentauben) und einige Nürnberger und fränkische Farbentaubenrassen dazugehörten. Die heutige Einteilung ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 45) vorgenommen worden.
Neben den Züchtern dieser Farbentauben waren auch Züchter anderer Rassetauben im Verein schwäbischer Taubenzüchter Mitglied. Man wollte vielmehr die schwäbischen “Rassetaubenzüchter” organisieren. Trotzdem stand der Erhalt und die Zucht der süddeutschen Farbentauben, wobei im engeren Sinn die Star- und Gimpeltauben hinzu gezählt werden müssen, oben an.
Der Verein schwäbischer Taubenzüchter blühte auf und immer mehr Züchter wurden Mitglied. Wie die Entwicklung dieses Vereins in der Zeit des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) aussah, ist zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr nachzuvollziehen.

Süddeutscher Weißschwanz, kupfer, Reichssieger 1936
Süddeutscher Weißschwanz, kupfer, Reichssieger 1936

Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts blühte dieser Verein dann richtig auf – vor allem in der Gegend von Stuttgart.
Die Entwicklung hätte so weiter gehen können, wenn nicht die Nationalsozialisten im Jahr 1933 an die Macht gekommen wären. Ihnen waren allgemeine Tauben- oder Geflügelzuchtvereine ein Dorn im Auge. Es sollte lediglich noch Orts- und Sondervereine geben. Die Mitglieder haben versucht den alten Verein durch die Umbenennungen in Verein der Züchter schwäbischer Tauben zu erhalten, was jedoch von staatlicher Seite nicht genehmigt wurde. Man wollte weder schwäbisch, noch bayrisch noch sonst irgend etwas. Von einigen parteitreuen Funktionären wurde dann im Zug der Gleichschaltung 1934 der Verein der Züchter Süddeutscher Farbentauben gegründet, dessen 1.

Vorsitzender Sörgel aus Regelsmühle bei Nürnberg kam und deshalb der Sitz nach Hersbruck in Franken verlegt wurde. Um die Interessen ihrer Tauben auch weiterhin zu vertreten, mussten auch die bisherigen “Kapazitäten” und Spitzenzüchter aus dem Verein schwäbischer Taubenzüchter in diesem neuen Verein Mitglied werden – wenngleich sie weiterhin Mitglied in ihrem angestammten Verein schwäbischer Taubenzüchter blieben. So existierten die beiden Vereine einige Zeit nebeneinander, als dann der Verein schwäbischer Taubenzüchter mit Sitz in Stuttgart 1937 zwangsaufgelöst wurde. Obwohl es die schwäbischen Züchter zunächst gut fanden, dass für die “schwäbischen Tauben” einen Sonderverein gibt, waren aus oben angeführten Gründen von Anfang an Vorbehalte gegen den neuen Verein vorhanden, so dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es zum Bruch kommen sollte – 1937 war es dann soweit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war von den ehemals parteitreuen Funktionären des “Hersbrucker Vereins” (Zitat Wilhelm Reichle) nichts zu hören. Es war dann Karl Schlecht aus Bernhausen, der die Initiative ergriff und bei der damaligen Militärregierung zwecks einer Vereinsgründung vorstellig wurde. Nach langem hin und her genehmigte die Militärregierung dann die Gründung und am 23. Juni 1946 wurde der Verein der Züchter Süddeutscher Farbentauben, Sitz Stuttgart, ins Leben gerufen. Wie man aus den ersten Protokollen und Veröffentlichungen in der Presse sieht, knüpfte man an die Traditionen des Vereins schwäbischer Taubenzüchter an. Man sah sich als den Nachfolgeverein und ernannte deshalb bereits nach einem Jahr verdiente Mitglieder des schwäbischen Vereins zu Ehrenmitgliedern.

Am 23. Juni 1946 wurde im Gasthaus "Löwen" des Preisrichters Karl Schmid, in Stuttgart-Wangen der Sonderverein gegründet
Am 23. Juni 1946 wurde im Gasthaus “Löwen” des Preisrichters Karl Schmid, in Stuttgart-Wangen der Sonderverein gegründet

Am 12. Dezember 1948 wurde dann in Stuttgart – Wangen die erste eigenständige Sonderschau – heute würde man Hauptsonderschau sagen – durchgeführt. Trotz der damaligen Mobilitätsprobleme hatten 45 Züchter genau 418 Tiere ausgestellt. Für die damaligen Verhältnisse ein großer Erfolg.

Karl Schlecht, der die Vereinsgeschäfte seit der Gründung führte, trat 1951 aus beruflichen Gründen von seinem Amt als 1. Vorsitzender zurück. Mit Fritz Joas aus Stuttgart – Wangen, konnte ein sehr guter Nachfolger gefunden werden. Karl Schlecht blieb der Vorstandschaft als 2. Vorsitzender erhalten. Im Jahr 1966 wurde in Hessen der Gedanke zur Gründung einer Gruppe Hessen im Sonderverein der Züchter Süddeutscher Farbentauben, Sitz Stuttgart, gehegt. Otto Schmidt, Beauftragter der Gruppe Hessen besprach daraufhin die verschiedenen Punkte mit Fritz Joas, ehe am 28. August 1966 in Brandau die Gruppe Hessen mit 28 Gründungsmitgliedern gegründet werden konnte.
1971, nach fast 20jähriger, erfolgreicher und begeisterter Tätigkeit stellte Fritz Joas den Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung. Für seine großen Verdienste und sein großes Engagement im Sonderverein, aber auch als vorbildlich liebenswerter Freund, wurde er unter großem Beifall der Anwesenden zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Zu seinem Nachfolger wurde Erich Kienle, Dagersheim, gewählt.

Mit einer Werbeschau anlässlich der Allgäuer Taubenschau 1974 in Memmingen, konnten erstmalig auch die Züchter von süddeutschen Farbentauben in Bayern direkt angesprochen werden. Anlässlich der Sommerversammlung, die bei dieser Ausstellung durchgeführt wurde, konnte dann am 17. November 1974 die Gruppe Bayern im Sonderverein gegründet werden. Als 1. Vorsitzender wurde Josef Jung aus Sonthofen gewählt.

Da auch immer mehr Mitglieder aus dem Norden hinzu kamen, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich, dem Beispiel von Hessen und Bayern folgend, auch eine Gruppe Nord gründete. Anlässlich der VDT-Schau in Verden 1979 war es dann soweit. 16 Mitglieder gründeten am 21. Januar 1979 in Verden an der Aller die Gruppe Nord im Sonderverein. Zum 1. Vorsitzenden wurde Friedrich Schumann, Schweringen gewählt.
Außer der Gründung der Gruppe Nord gab es im Jahr 1979 eine weitere Veränderung im Vereinsleben, und zwar in der Vereinsführung. Erich Kienle trat vom Amt des 1. Vorsitzenden zurück. Als sein Nachfolger wurde Friedrich Mödinger, Stuttgart, gewählt. Bei der Jahreshauptversammlung 1980 wurde dann Erich Kienle zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Nur ein Jahr später kam es zu einem positiven aber gravierenden Einschnitt für den Sonderverein. Nach kurzer Amtszeit gab Friedrich Mödinger seinen Vorsitz ab. Mit Manfred Kähler aus Filderstadt – Bernhausen wurde ein Amtsnachfolger gewählt, der viel Engagement und positives Denken in den Sonderverein einbrachte. Als erstes regte er an, zweimal jährlich ein Rundschreiben an die Mitglieder zu versenden um sie damit besser zu informieren. Begeistert wurde dieser Vorschlag angenommen. Auch die Sommertagungen, immer am verlängerten Wochenende über Christi Himmelfahrt, sind seither zu einem festen Bestandteil geworden.

1984 wurden die Echterdinger Farbentauben als 12. Rasse der süddeutschen Farbentauben anerkannt
1984 wurden die Echterdinger Farbentauben als 12. Rasse der süddeutschen Farbentauben anerkannt

Die bisher elf Rassen der süddeutschen Farbentauben werden im Jahr 1984 durch die zwölfte, nämlich die Echterdinger Farbentauben vergrößert, als der Bundeszuchtausschuss die Anerkennung aussprach. Ein großer Tag für die Züchtergruppe Albert Weinmann, Walter von der Dell und Gerhard Maßl, die sich um die Erzüchtung verdient gemacht haben.

Am 11. und 12. Januar 1987 wurde in der Rundsporthalle das 40jährige Bestehen des Sondervereins mit der Hauptsonderschau gefeiert. Im Einzelnen wurden folgende Tiere gezeigt: 46 Kohllerchen, 26 Tigermohren, 48 Weißschwänze, 242 Blassen, 404 Schildtauben, 162 Mohrenköpfe, 8 Württemberger Mohrenköpfe, 63 Latztauben, 41 Schnippen, 53 Echterdinger Farbentauben und drei Volieren. Mit über 1400 Tieren konnte das bisher beste Ergebnis in der Sondervereins – Geschichte erzielt werden.

1991 wollen 39 Zuchtfreunde aus der ehemaligen DDR als neue Gruppe Ost dem Sonderverein beitreten. Am 22. September 1991 wird dann in Bucha die Gruppe Ost im Sonderverein gegründet. Vorsitzender wird Rainer Schmidt aus Bucha.

1996 stand das 50jährige Jubiläum der “Wiedergründung” bevor, dass mit idealer Planung im Januar 1997 wiederum in der Rundsporthalle in Filderstadt – Bernhausen stattfand. Genau 1846 süddeutsche Farbentauben wurden ausgestellt. Im Einzelnen wurden ausgestellt: 67 Kohllerchen, 35 Tigermohren, 90 Weißschwänze, 364 glattfüßige Blassen, 112 belatschte Blassen, 215 belatschte Mönche, 99 glattfüßige Mönche, 42 Echterdinger Farbentauben, 449 Schildtauben, 180 Mohrenköpfe, 10 Württemberger Mohrenköpfe, 69 glattfüßige Latztauben, 17 belatschte Latztauben und 95 Schnippen.
Zu diesem Jubiläum wurde von Hermann Klotz, Markgröningen, und Wilhelm Bauer, Nürtingen, eine Chronik mit über 160 Seiten gefertigt, die als Nachschlagewerk über den Sonderverein gelten kann. Ebenfalls zum Jubiläum wurde von Wilhelm Bauer ein Buch “Die süddeutschen Farbentauben” verfasst, das vom Verlag Oertel + Spörer, Reutlingen verlegt wurde.

Zur Gestaltung eines neuen Vereinslogos wurde bei Max Holdenried ein Entwurf in Auftrag gegeben. Mit dem Ergebnis waren alle sehr zufrieden. Es zeigt im Hintergrund den Württemberg (Rotenberg) bei Stuttgart mit Grabkapelle der Württembergischen Könige und im Vordergrund die Rassen Süddeutsche Blasse, blau mit schwarzen Binden, Württemberger Mohrenkopf, schwarz mit Schnippe und eine rote Süddeutsche Schildtaube.

Mit umfangreichen Informationen der Mitglieder und einer Präsenz in der Fachpresse steht der Sonderverein der Züchter Süddeutscher Farbentauben e.V., Sitz Stuttgart, zu Beginn des 21. Jahrhunderts so da, wie es wohl noch zu keinem vorherigen Zeitpunkt war. Auch züchterisch sind alle Rassen auf einem Hochstand, wie er nicht für möglich gehalten wurde.

Wilhelm Bauer

Autor: admin
Datum: Mittwoch, 30. März 2011 20:17
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