Die Süddeutschen Mohrenköpfe

Wohl eine der ältesten Zeichnungsvarianten der heutigen Rassetauben dürfte die Mohren- bzw. Farbenkopfzeichnung sein. Man findet sie nicht nur innerhalb der Farbentaubengruppe, sondern auch bei den Strukturtauben und den Tümmlern.
Die Ursachen liegen wahrscheinlich im herrlichen Kontrast, die die farbigen Zeichnungsfelder zum restlichen weißen Gefieder bilden.

Innerhalb dieser Mohrenkopfzeichnung gibt es jedoch seit altersher nochmals differenzierte Ansichten wie groß der Latz zu sein hat, um die Taube richtig zu zieren. War man sich bei den Schlesischen und Altdeutschen Mohrenkopfen hierin schon von jeher bewusst, bildete die Familie der Süddeutschen Mohrenköpfe bis vor etwa 25 Jahren ein ziemliches Durcheinander. In einem Rassestandard, waren nicht weniger als fünf verschiedene Rassen- bzw. Zeichnungsvarianten anerkannt.
Im einzelnen waren dies:

  1. kleinlatzig und glattfüßig (Süddeutscher Mohrenkopf)
  2. großlatzig und belatscht (Württemberger Mohrenkopf, Süddeutscher großlatziger Mohrenkopf)
  3. großlatzig und belatscht mit weißer Schnippe (Württemberger Mohrenkopf, Schnippenmohr)
  4. großlatzig und glattfüßig (Süddeutscher großlatziger Mohrenkopf, nicht mehr anerkannt)
  5. großlatzig und glattfüßig mit weißer Schnippe (Süddeutscher großlatziger Mohrenkopf, nicht mehr anerkannt)

Von diesen fünf Zuchtrichtungen waren mit größter Wahrscheinlichkeit jedoch nur die drei ersten öfter in Züchterhand zu finden.

Da der “Schnippenmohr” immer mehr zurückgedrängt wurde, hat Karl Bohler als treibende Kraft, in Verbindung mit dem zuständigen SV versucht für diese Zeichnungsvariante einen eigenen Standard zu schaffen. Im Jahr 1978 war es dann soweit, der “Schnippenmohr” wurde aus dem Standard der übrigen Süddeutschen Mohrenköpfe herausgenommen und unter dem selbständigen Namen “Württemberger Mohrenkopf” anerkannt. Die belatschten Tiere “ohne weiße Schnippe” wurden vom BZA mit der Begründung, dass sie bis auf die andere Haubenstruktur den Altdeutschen Mohrenköpfen gleichen, gestrichen. Dies geschah, trotz der Intervention des Sondervereins.

Die Südeutschen Mohrenköpfe waren von nun an nur noch glattfüßig anerkannt, wobei die Latzzeichnung “von der Halsmitte bis zum Brustbein variieren” konnte, wie es im damaligen Standard hieß. Durch die Forderung nach einem großen Latz, “.. zu groß kann der Latz nie sein”, müsste man eigentlich annehmen, dass die Kleinlatzigen, also bis zur Mitte des Halses, in Vergessenheit gerieten. Doch gerade das Gegenteil war der Fall. Man ging sogar soweit, dass bei einer weiteren “Flurbereinigung des Standards” die Großlatzigen glattfüßigen Süddeutschen Mohrenköpfe vollends aus der Musterbeschreibung gestrichen wurden und seither nicht mehr anerkannt sind.
Ich meine, dass wir darüber nicht allzu sehr verbittert sein sollten, denn wirkliche großlatzige Tiere hat es wohl nie gegeben, da weder aus alten Berichten, noch von alten Züchtern bzw. Preisrichtern weiß man etwas über diese Variante. Die Wirklichkeit sah wohl eher so aus, die Kleinlatzigen wurden als solche und die mit etwas zu großem Latz wurden als Großlatzige ausgestellt.

Das Erscheinungsbild

Neben den Süddeutschen Schildtauben und Blassen können die Süddeutschen Mohrenköpfe die meisten Züchter innerhalb der Familie der süddeutschen Farbentauben auf sich vereinigen.
Bei der Figur verlangen wir eine kräftige Feldtaubenform. Nun ja, kräftig sind die meisten, doch fehlt einigen Tieren die nötige Harmonie. Das heißt, dass bei manchen Tieren die Hinterpartien schon zu lang sind und dadurch die Tiere “schlittig” wirken. Meist tritt dieses Phänomen in Verbindung mit einer schlechten Rückendeckung bzw. einer etwas schlaffen Flügelhaltung auf, so dass die Züchter und Preisrichter hier um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten werden. Ansonsten ist mir in den vergangenen Jahren kein Problem hinsichtlich der Form aufgefallen.
Der Kopf wird breit und mit einem harmonischen Stirnanstieg gewünscht. Vor allem bei letzterem hat man schon zuviel des Guten gesehen, so dass man fast von einer überbauten Stirn sprechen konnte. Zum Glück waren das nur Eintagsfliegen und die Sache scheint sich nicht ausgedehnt zu haben.
Das Auge wird dunkel verlangt. Augenfehler, früher bei den Mohrenköpfen an der Tagesordnung, findet man heute nur noch höchstselten einmal. Trotzdem ist der Züchter hier zu erhöhter Aufmerksamkeit angehalten, denn ein dunkles Auge in einem farbigen Zeichnungsfeld, geht der Natur eigentlich zuwider.
Der Rand soll sich dem umliegenden Gefieder farblich anpassen und vor allem zart in seiner Struktur sein. Der Schnabel wird schwarz bei Schwarzen und Blauen, bei Roten und Gelben wachs- bzw. hellhornfarbig gewünscht.
Als absolute Zierde muss die hochsitzende, breite Rundhaube angesehen werden. In punkto Rosettensitz gibt es fast nicht auszusetzen. Während man früher gerne von Augenhöhe sprach, ist man hier auf Ohrenhöhe zurückgegangen. Die Vorteile liegen vor allem darin, dass mit der geringfügig tiefersitzenden Haube, die nötige Kopfbreite gewahrt bleibt. Das soll aber nicht heißen, dass Tiere mit tiefsitzenden Rosetten das Ziel sind – nein, hochsitzen müssen sie, sonst ist ein “sg” nicht mehr zu vertreten.
Was in Hinblick auf die Haubenfülle und das Haubenvolumen geleistet wurde, verdient allerhöchste Anerkennung. Man kann schon sagen, dass es besser nicht mehr geht. Doch sollte bei allem Überschwang nicht vergessen werden, dass wir gehaubte Farbentauben züchten. Tiere die schon zur Struktur hin neigen, müssen im Interesse der Rasse von den Preisrichtern bei den Ausstellungen und von den Züchtern im Schlag zurückgestuft werden.
Es wurden wiederholt Tiere gezeigt die demonstrierten, dass es ohne weiteres möglich ist hohe, federreiche und dabei feste Hauben zu züchten. Denn nur zu gerne wird bei einem zuviel des Guten die Haubenfeder zu lose und damit die Gefahr der losen Haubenkämme größer. Die Folgeerscheinung ist dann, dass Süddeutsche Mohrenköpfe in den Käfigen stehen, die, wenn sie nicht angesprochen werden, ihre ganze Haubenpracht fallen lassen. Zum Glück wurde dieses Manko auch von den Züchtern erkannt. Es freute die Verantwortlichen, dass man hier gemeinsam zum Wohl der Rasse zusammengearbeitet hat.
Die Rosettenausprägung soll schön chrysanthemenförmig sein. Manchmal erscheinen sie wie kleine Scheitel, was man dann als “Wunsch” vermerken sollte, denn schön sind solche länglichen Rosetten nun wirklich nicht. Dass bei einer süddeutschen Farbentaube mit versetzten Rosetten nichts mehr läuft, hat sich nun bis in den letzten Winkel Deutschlands herumgesprochen – und ist auch gut so.
Im Hinblick auf die Rosettenausprägung möchte ich noch auf etwas hinweisen. Wenngleich ich gut verstehe, dass durch geschicktes Putzen die Rosettenausprägung verbessert werden kann, ist es doch eine Farce, wenn so stark geputzt wird, dass die vorderen Rosettenfedern bis ans Auge reichen und sogar noch halb verdecken. Es kann und darf nicht sein, dass eine süddeutsche Farbentaube im allgemeinen und ein Süddeutscher Mohrenkopf im besonderen durch seine Rundhaube in der Sichtfreiheit eingeschränkt ist. Hier kommt man mit dem alten Sprüchlein, so glaube ich, recht gut weiter: “Putzen ja, doch mit Gefühl …!”
Dass die Haube aufrechtstehend sein muss und nicht wie die einer Nürnberger Schwalbe nach vorne kippen darf ist bekannt. Ist die Taube jedoch stark erregt, kann es vorkommen, dass sie die den Kopf einzieht und damit die Haube aufliegt. Hier ist also auch der Preisrichter aufgerufen sich die nötige Zeit zu nehmen.
In Bezug auf das Haubenputzen wäre vielleicht noch anzumerken, dass ein Rundschnitt, also das Führen einer Schere zum Haubenfutter nicht statthaft ist. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass man mit einer Schere die untenliegenden, also verdeckten Federn, nicht beschneiden darf, denn ein solches Vorgehen ist von den AAB abgedeckt.
Nur wer Tauben mit farbigem Kopfgefieder und weißer Haube züchtet, kann ermessen, wie viel Zeit investiert werden muss, um hier eine exakte Zeichnungsabgrenzung zu erzielen.

Die Beine sind ausnahmslos glatt und ohne Stoppeln. Die Nagelfarbe wird bei allen vier Farbenschlägen hell gewünscht. Eine schwarze Kralle beim schwarzen Farbenschlag berechtigt noch zur Note “hv”.

Die Zeichnung ist wie schon oben erwähnt beim heutigen Süddeutschen Mohrenkopf eindeutig definiert. Der Latz soll sich bis etwa zur Mitte des Halses ausweiten und schön gerundet sein. Ein zu kleiner Latz ist nicht schön und sollte bei der Bewertung berücksichtigt werden. Desweiteren muss das gesamte Schwanzgefieder also mit Decke und Keil farbig sein. Auf eine scharfe Zeichnungsgrenze am Bürzel und am After ist zu achten; bereitet aber in der heutigen Zeit auch kaum einmal ernsthafte Probleme

Die Farbenschläge

Die Süddeutschen Mohrenköpfe sind lediglich in den vier Grundfarbenschlägen anerkannt, und zwar in Schwarz, Blau, Rot und Gelb. Eine Erweiterung der Farbpalette, um beispielsweise Blaufahl, wie sie schon versucht wurde, nur dass dieser Farbenschlag damals unter “Silber” vorgestellt wurde, ist nicht im Interesse der Rasse. Unsere vier Farbenschläge bieten den Züchtern noch genügend “Aufgabenpotential”, so dass neue Farbenschläge die alten in ihrem Bestand wohl weiter dezimieren würden. Aber wie hieß es zuletzt in einem Ausstellungsbericht über die Klasse der Neuzüchtungen: “des Züchters Wille ist sein Himmelreich”.

Wenn es einen sogenannten Paradefarbenschlag gibt, dann ist dies unweigerlich der Schwarze. Die Gründe liegen hier wohl eindeutig im Kontrast, der bei diesem Farbenschlag am stärksten ausgeprägt erscheint. Das Schwarz soll intensiv lackreich und mit Grünglanz überzogen erscheinen. Tiere mit Schilf im Schwanz sollten zurückgesetzt werden, da dies der Zuchtstand heute ohne weiteres zulässt. Hier aber “päpstlicher als der Papst” zu sein halte ich für wenig angebracht. Die goldene Mitte ist auch hier der Weg zum Erfolg. In der Haubenfülle gibt es nur höchstselten etwas auszusetzen. Hier sind die Schwarzen geradezu vorbildlich und wohl auch zukünftig nur sehr schwer zu übertreffen. Der Augenrand muss bei den Jungtieren dunkel und zart sein; lediglich bei den Alttieren muss man da etwas Nachsicht walten lassen.
Leider stehen die Blauen traditionell etwas im Schatten ihrer schwarzen Brüder und Schwestern. Woher dies kommt, ist nur schwer nachzuvollziehen. Schließlich stehen die Blauen den Schwarzen fast in nichts nach. Die Farbe, die hell und gleichmäßig verlangt wird, ist auf breiter Ebene gefestigt. Ob sie nun eine Nuance dunkler oder heller sind, spielt dabei nicht die entscheidende Rolle, die Betonung sollte hierbei auf gleichmäßig liegen – zumal die wirklich dunklen blauen Mohrenköpfe der Vergangenheit angehören. Das Schwanzgefieder muss in einer satten schwarzen Schwanzbinde abschließen. Obligat sind natürlich die hellen Außenfahnen der Ortfedern, wie sie bei allen blauen Tauben vorkommen. Zum Augenrand gilt das bei den Schwarzen angeführte.
Den wohl größten Sprung in Richtung “Bundesliga” haben in den vergangenen Jahren unzweifelhaft die Roten gemacht. Während sie früher zumeist dürftige Hauben hatten und auch farblich Zugeständnisse gemacht werden mussten, hat sich dies grundlegend geändert. Bestechende Kopfpunkte, wenn auch eine Idee kleiner als bei den Schwarzen, was aber zu tolerieren ist, zeichnen die Roten heute aus. Auch farblich wurde ganz erstaunliches geleistet. Ein sattes, glanzreiches Rot scheint ihnen nun auf breiter Ebene eigen zu werden. Auch in der Augenrandfarbe hat sich etwas getan. Früher hatten sie zumeist helle Ränder, die wie richtige “Brillen” aussahen und diesem Farbenschlag nicht gerade zur Zierde gereichten. Rote, unauffällige Augenränder tauchen seit neuester Zeit in einer Zucht auf. Hier sollte versucht werden, dies zu festigen und durch einen Zuchttieraustausch der solidarischen Züchter roter Mohrenköpfe in die einzelnen Zuchten zu bringen. Wenn ich richtig informiert bin, hat sich in dieser Richtung auch schon etwas getan. Das alte Leiden der angelaufenen Schnäbel ist wohl nicht schlussendlich aus den Zuchten zu verbannen. Aufgrund der Standardformulierung in der es heißt: “Bei Roten leicht angelaufener Schnabel gestattet”, zeugt es dann auch meistens von keiner großen Rassekenntnis, wenn der Preisrichter auf diesem Manko “herumreitet”. Also tolerieren wir es im Sinn der Rasse und freuen uns an diesem Hochstand.
Leider haben die Gelben davon noch nicht profitieren können, was eigentlich schade ist, werden die Roten und Gelben doch schon seit Urzeiten meistens zusammengehalten und -gezüchtet. Die Gleichmäßigkeit der gelben Farbe muss unbedingt beachtet werden. Es ist nicht besonders schön, wenn die Kopffarbe mit einem hellen Saum abschließt. Die Schwanz- und Latzfarbe ist größtenteils in Ordnung. In der Haube sind die Gelben derzeit am schwächsten ausgeprägt, wenngleich es Einzeltiere gibt, die mit wuchtigen Hauben aufwarten können. Hier ist der Preisrichter mit dem nötigen Fingerspitzengefühl gefordert um diesem Farbenschlag die Zukunft zu sichern.

Wenn die Süddeutschen Mohrenköpfe einen sehr großen Beliebtheitsgrad erfahren dürfen, muss das doch auch seine Gründe haben. Neben der Attraktivität der Zeichnung ist diese Beliebtheit wohl im Wesen und der Anspruchslosigkeit dieser Rasse zu suchen. Gradmesser, die in heutiger Zeit mehr denn je in den Vordergrund zu rücken sind und mit Sicherheit auch in der Zukunft dafür sorgen werden, den Süddeutschen Mohrenköpfen einen noch größeren Züchterkreis zu erschließen.
Der Sonderverein der Züchter süddeutscher Farbentauben ist in jedem Fall gerne bereit, Züchteradressen an interessierte Zuchtfreunde zu vermitteln, damit diese ursprüngliche Farbentaube aus dem “Schwabenländle” auch für fernere Generationen erhalten bleiben mag.

Wilhelm Bauer

 

Tags »

Autor: admin
Datum: Mittwoch, 2. März 2011 16:12
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Fachartikel Südd. Mohrenkopf

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare und Pings geschlossen.

Keine weiteren Kommentare möglich.