Echterdinger Farbentauben

Geschichtliches

Bei den Echterdinger Farbentauben handelt es sich um eine der jüngsten Taubenrassen überhaupt, denn sie wurde erst 1983 vom Bundeszuchtausschuss anerkannt. Obwohl ihre Entstehung also jüngeren Datums ist, sind schon allerlei Veröffentlichungen mit verschiedenen Entstehungsgeschichten zur Rasse veröffentlicht worden. Da hier schon Unterschiedliches veröffentlicht wurde, soll diese Abhandlung endlich Licht in diese verschwommene Angelegenheit bringen und zur Wahrheitsfindung beitragen. Die Ursprünge der Echterdinger Farbentauben sind wohl Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre unseres Jahrhunderts in Echterdingen auf den Fildern zu suchen. Mehrere Farbentaubenliebhaber haben damals mit dem Gedanken gespielt eine Farbentaube zu erzüchten, die den Namen der Stadt Echterdingen tragen sollte. Aber erst Anfang der siebziger Jahre wurde die Absicht in die Tat umgesetzt, als sich die Züchter Gerhard Maßl, Walter von der Dell und Albert Weinmann in der Gaststätte “zum Stern” in Echterdingen trafen, um ein Konzept zur Erzüchtung dieser neuen Rasse auszuarbeiten. Albert Weinmann brachte zu den damaligen Treffen Fachbücher mit, so dass aus verschiedenen Rassen das letztendliche Erscheinungsbild der Echterdinger Farbentaube festgelegt wurde. Obwohl man sich über das genaue Aussehen der Rasse einig war, ging jeder der Züchter seinen eigenen Weg. Bei verschiedenen Taubenmärkten, die die Erzüchter gemeinsam besuchten, wurden die verschiedensten Rassen gekauft, um sie in ihrer Zucht zu erproben. Der Sonderverein der Züchter süddeutscher Farbentauben wurde natürlich von diesem Vorhaben in Kenntnis gesetzt, und sprach den Erzüchtern die nötige Unterstützung dieses sicher nicht leichten Vorhabens zu.

Die ersten Echterdinger Farbentauben konnten dann anlässlich der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover 1975 unter der Gruppe Neuzüchtungen von den Züchtern Gerhard Maßl und Walter von der Dell vorgestellt werden, wobei es Gerhard Maßl vergönnt war gleich bei der ersten Vorstellung auf einen Jungtäuber die sg-Note zu erringen. Auch 1976 war wiederum die Deutsche Junggeflügelschau auserkoren worden um die Echterdinger Farbentauben dem fachkundigen Publikum vorzustellen. Als Aussteller waren wieder Gerhard Maßl sowie Dr. Hermann Maier aus Stuttgart vertreten. 1977 war dann Walter von der Dell der Alleinaussteller bei der Deutschen Junggeflügelschau. Darüber hinaus wurden bereits zu dieser Zeit größere Kollektionen und Volieren der neuen Rasse bei den Lokalschauen des Echterdinger Vereins und der weit über die Grenzen Württembergs hinaus bekannten Fildertaubenschau gezeigt. Leider musste Gerhard Maßl seine bis daher sehr gute Zucht aufgeben. Seinen gesamten Bestand übergab er an Albert Weinmann. Dann wurde es um die Rasse auf einmal sehr still, und man musste schon wieder mit ihrem Verschwinden rechnen. Für die Rasse konnte man von Glück reden, dass der Sonderverein zur damaligen Zeit über einen sehr rührigen Zuchtwart, nämlich Karl Nonner verfügte, der sich den Echterdinger Farbentauben annahm und die Regularien zu einem Anerkennungsverfahren den Züchtern nahelegte und dasselbe forcierte. Nach weiteren Vorstellungen bei der Deutschen Taubenschau in Stuttgart 1980 sowie den Deutschen Junggeflügelschauen in Hannover in den Jahren 1981, 1982 und 1983 erfolgte die Anerkennung der Rasse dann anlässlich der Bundeszuchtausschusssitzung am 26.5.1983. Den Züchtern die sich um die Rasse verdient gemacht haben, vor allem Walter von der Dell, gebührt die Anerkennung der Farbentaubenliebhaber. Sehr gut war auch die Kollektion von Karl Fritzsch aus Plieningen, die bei der Deutschen Junggeflügelschau 1983 dreimal “sg” mit Preis erringen konnte. Leider kann heute nicht mehr ganz genau gesagt werden welche Rassen nun als die Urväter der Echterdinger Farbentauben bezeichnet werden können. Man weiß nur, dass die Kormorner Tümmler mit von der Partie waren, und die Echterdinger Farbentauben auch heute noch von diesem Manko belastet sind.

Gesamteindruck

Die Echterdinger Farbentaube sollte den Eindruck einer nicht zu schwachen Feldtaube erwecken. Die Beine müssen dabei stets glatt sein. Der breit geforderte Kopf wird von einer gut entwickelten Rundhaube mit seitlichen Rosetten geprägt. Die Augenfarbe erscheint ausnahmslos dunkel, wobei der Augenrand lebhaft rötlich sein soll. Hier von “Feuer” zu sprechen, ist nicht im Sinn der Rasse, denn dabei handelt es sich um ein Rassemerkmal welches den Nürnberger und fränkischen Farbentauben vorbehalten ist. Der Schnabel ist mittellang und schön hellfleischfarben. Leider sind es gerade die Kopfpunkte, die noch die größten Probleme in der Zucht der Echterdinger Farbentaube bereiten. Wie es sich für eine süddeutsche Farbentaube gehört soll der Schnabel so eingebaut sein, dass er fast waagerecht ist und ein harmonischer Übergang zur Stirn möglich ist. Durch das Kormornererbe sind die Schnäbel meistens etwas zu tief eingebaut, so dass der Eindruck eines leichten Senkschnabels erweckt wird. Beim alleinigen Betrachten der Echterdinger Farbentauben wird dieses Problem meist nicht so offensichtlich. Erst im Vergleich mit den anderen süddeutschen Farbentauben wird einem klar, wie weit die Kopfpunkte noch von denen der übrigen süddeutschen Tauben entfernt sind. Auch die Haubenausprägung ist noch nicht ideal. Die Rosetten müssen noch feiner werden und auch noch etwas höher angesetzt sein. Der Hals wird mittellang mit gut gerundeter Kehle gewünscht, ein Merkmal, das ebenfalls verstärkt die Beachtung der Züchter finden sollte. Die Körperform und -stärke kann als zufriedenstellend betrachtet werden, wenngleich in einigen Zuchten die unterste Größengrenze erreicht zu sein scheint. Deutlicher ausgedrückt: “kleiner dürfen sie nicht mehr werden.”

In der Voliere hinterlassen die attraktiv gezeichneten Echterdinger Farbentauben einen anziehenden Eindruck.

In der Zeichnung sind die Echterdinger Farbentauben etwas einmalig Schönes. Es handelt sich um eine Ganselzeichnung mit einem eingelegten Latz. Im einzelnen heißt dies, dass die Haube, der Hinterhals, die Brust, das Schulterherz und das gesamte Schwanzgefieder mit Decke und Keil farbig sind. Weiß sind demnach ein Latz bis in Flügelbughöhe, die Flügel sowie der Bauch und die Schenkel. Diese Forderungen werden heute auch im Großen und Ganzen erfüllt. Ein immer wieder zur Kritik führender Anlass ist die Latzgröße, die laut Standard bis in Flügelbughöhe gehen soll. Hierbei sollte jedoch etwas Toleranz geübt werden, denn wie bei den Latztauben auch, verfügen gerade die Tiere mit den etwas kleineren Lätzen über die besseren Hauben und den höheren Rosettensitz. Daher sollte ein kleinerer Latz nicht gestraft werden, was aber nicht heißen soll, dass Tiere die lediglich noch eine Weißkopfzeichnung aufweißen toleriert werden sollen. Auch bei der Latzbreite können nicht die Anforderungen wie bei den Latztauben verlangt werden. Sofern es aber nicht nur zwei Federnbreiten sind, sollte auch hier nicht allzu hart vorgegangen werden.
Seither war nur der schwarze Farbenschlag anerkannt, wobei dasselbe satt und glanzreich erscheinen soll. Diese Forderungen geben auch kaum einmal Anlass zur Kritik.
Verschiedene Züchter bemühen sich darum blaue Echterdinger Farbentauben zu erzüchten. Die attraktiven Roten wurden im Jahr 2001 für die Ausstellungen anerkannt. Bleibt zu hoffen, dass ihr erfolgversprechender Auftritt von Dauer ist. Ob die anderen Farbenschläge allerdings einmal zur Anerkennung gelangen, ist Sache der Züchter die das langwierige Anerkennungsverfahren auf sich zu nehmen haben. Als Erleichterung darf dabei allerdings angesehen werden, dass es sich lediglich um neue Farbenschläge einer bereits anerkannten Rasse handelt.
Dass es die Echterdinger Farbentauben einmal in den vier Grundfarben geben wird ist, so denke ich abzuwarten und würde sicher bei den Ausstellungen einen weiteren Glanzpunkt bilden. Eine Erweiterung der Farbenschlagpalette um zum Beispiel Blaufahle halte ich nicht für ratsam, da kein zusätzlicher Effekt erreicht werden könnte.
Da die Echterdinger Farbentauben über eine recht komplizierte Zeichnungsabgrenzung verfügen, soll nicht verheimlicht werden, dass nur sehr wenige Tiere bereits mit Zeichnung aus dem Nest kommen. Aufgrund der überaus vitalen Echterdinger ist allerdings mit genügend Nachzucht zu rechnen, so dass durch erlaubtes putzen doch noch genügend Tiere für die einzelnen Ausstellungen rekrutiert werden können. Für denjenigen, der jedoch eine Taube züchten will bei der nicht viel Ausstellungsvorbereitungen getroffen werden müssen, dem kann man die Echterdinger Farbentaube leider nicht empfehlen.
Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Echterdinger Farbentaube auch außerhalb Württembergs und hier vor allem im Norden der Bundesrepublik eine überaus gute Verbreitung gefunden hat. An dieser Stelle kann man diesen Züchtern einmal danken, die durch ihre zielstrebige Arbeit die Echterdinger Farbentauben ganz erheblich mitverbessert haben und so hoffe ich weiter verbessern werden. Mit ihrem einmaligen Erscheinungsbild sowie ihrer Vitalität und Anspruchslosigkeit hätten sie es auf jeden Fall verdient.

Wilhelm Bauer

 

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Autor: admin
Datum: Mittwoch, 2. März 2011 16:01
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