Farbentaube mit großem Potenzial: Süddeutsche Kohllerchen

Es ist im Sonderverein der Züchter Süddeutscher Farbentauben eine liebgewordene Tradition geworden, dass seitdem die Süddeutschen Blassen offizielle Rasse des Jahres im BDRG waren, jährlich eine SV-interne Blickpunktrasse ausgewählt wird. Sondervereine, die mehrere Rassen betreuen, wir immerhin zwölf an der Zahl, tun gut daran, sich schwerpunktmäßig immer die eine oder andere Rasse vorzunehmen und eben in den Blickpunkt zu setzen. Neben einer ausführlichen Tierbesprechung im Rahmen der Preis- und Sonderrichterbesprechung ist es natürlich auch die Werbung in der entsprechenden Fachpresse und die Schaffung von Ausstellungsanreizen, in dem so genannte Blickpunkt-Rassenbänder gestiftet werden. Diese sind sehr begehrt, können sie doch nur in diesem Jahr errungen werden.

Für das Jahr 2010 fiel die Wahl auf die Süddeutschen Kohllerchen, eine der wohl schlichtesten Farbentaubenrassen überhaupt. Nichtsdestoweniger eine Rasse, die mit Feinheiten aufwartet, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht erwartet und schon deshalb vielfach unterschätzt wurde und wird. Die Bezeichnung, die man in früheren Zeiten in Fachartikeln oft las, nämlich vom „Aschenputtel“ haben sie schon längst abgelegt. Sie haben sich zu echten Farbentauben entwickelt, die in hoher rassischer Qualität nicht leichter zu züchten sind als beispielsweise ein Süddeutscher Mohrenkopf.

Von der Bauern- zur Rassetaube – ein langer Weg!

Woher kam nun die Tatsache, dass sie und ihre Züchter in früheren Zeiten etwas milde belächelt wurden? Da muss man schon etwas zurückgehen, als Lerchenrassen aller Varianten mehr oder weniger wild auf den Bauernhöfen gehalten und um sie kein großes Aufsehen gemacht wurde. Eine Vergangenheit, die übrigens allen Farbentaubenrassen anhängt. Nur haben es die anderen geschafft, sich aus diesem Milieu relativ schnell zu befreien und haben sich zu anerkannten Rassetauben entwickelt – ob dies immer zu ihrem Vorteil geschehen ist, das mögen andere bewerten. Die Süddeutschen Kohllerchen jedenfalls haben diesen Schritt erst nach dem 2. Weltkrieg geschafft und selbst dann hat es im Grund bis zum Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gedauert, ehe sie vollends aus ihrem eigenen Schatten getreten sind.

Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob sie vor dem 2. Weltkrieg überhaupt bei den Sondervereins-Ausstellungen in Erscheinung getreten sind. Die erste Hauptsonderschau, so würde man heute sagen, im Jahr 1946 führt sie jedenfalls noch nicht auf und auch im Rassenverzeichnis des Sondervereins, das sofort nach der Gründung im gleichen Jahr erstellt wurde, sucht man sie vergeblich. Sie waren wohl da, aber eben immer noch im absoluten bäuerlichen Umfeld und mehr oder weniger sich selbst im Freiflug überlassen. Erst mit Beginn der fünfziger Jahre wurde man wieder auf die Rasse aufmerksam. Es machten sich nämlich einige Züchter daran, sie bei Ausstellungen zu zeigen. Und damals wie heute gilt die Regel, dass das, was gezeigt wird, auch das Interesse anderer weckt. Doch wie kann man sich die Süddeutschen Kohllerchen zur damaligen Zeit vorstellen? Es waren im Grund mehr oder weniger schwarze Tauben, die im Bereich der Bindengegend eine leichte Zeichnung hatten und eine leuchtende Ockerbrust aufwiesen. Von den heutigen Anforderungen war man noch kilometerweit entfernt! Es waren eben echte Bauerntauben – und das durchaus nicht zu ihrem Nachteil.

Auffallend ist dabei aber, und das ist bis zum heutigen Tag so geblieben, dass Kohllerchenzüchter geradezu fanatisch an ihrer Rasse hängen. Vielleicht liegt die Ursache daran, dass sie eben immer gerne belächelt wurden. Auf jeden Fall stellte der Züchter Rivinius aus dem schwäbischen Herrenberg, am Rand des Schönbuchs im Übergang zum Gäu gelegen, seine Tiere aus. Die alten Züchter und Preisrichter erinnerten sich an die Kohl- oder Schwarzlerchen, wie man sie gerne nannte und so machte man sich daran, einen Standard zu verfassen. Es war wohl Wilhelm Reichle, der sich vehement dafür einsetzte, dass auf dem Schild eine feine Lerchung, gleich der Pfeilspitzzeichnung der Silberschuppen gefordert wurde. Dies war eine aus heutigem Blickwinkel betrachtet immens weitsichtige Entscheidung. Hat doch gerade die Pfeilspitzzeichnung immens zur Attraktivität und damit zur Beliebtheit der Rasse beigetragen. Dennoch wollte es mit der Rasse nicht so richtig vorwärts gehen. Die zu dunkle, ja, schwarze Grundfarbe verhinderte ein vollständig gezeichnetes Schild und so dümpelte die Rasse mehr oder weniger vor sich hin. Es blieben fast schwarze Tauben mit ockerfarbener Brust. Ihr Erscheinungsbild sorgte sogar dafür, dass Matthias Holler, Erstimporteur der Arabischen Trommeltaube nach Deutschland und Erzüchter der Saarlandtaube von seinem Vorhaben Abstand nahm, eine Rasse in den Stuttgarter Stadtfarben, also gelb und schwarz, zu schaffen. Er war der Ansicht, dass die Kohllerche ihre schwäbische Heimat in den Hauptstadtfarben schon zur Genüge repräsentiere.

Wenn auch in einem geringen Rahmen, so nahmen die Züchterzahlen der Süddeutschen Kohllerchen immer mehr zu. Dennoch traten sie bei Ausstellungen, von Großschauen ganz zu schweigen, kaum in Erscheinung. Eine rühmliche Ausnahme waren die Ettlinger Taubenschauen, bei der immer ganze Kollektionen zu sehen waren. Es war wohl der Züchter Karl Rapp aus Ettlingen, ein frenetischer Kohllerchenzüchter, der die anderen aufforderte dort auszustellen.

Das Hauptproblem für die Rasse war aber, dass das Zusammenwirken zwischen Züchtern und Preisrichtern nicht immer ganz einfach war. So wurde, und zwar von beiden Seiten, zeitweise etwas gefordert, was sich beim besten Willen züchterisch nicht umsetzen lies. Die Rasse entwickelte sich also einmal mehr in diese und dann in diese Richtung. Glücklicherweise ist diese Zeit vorbei und die Süddeutsche Kohllerche hat einen klar aufgezeigten Weg, der sowohl von den Züchtern als auch den Preisrichtern konsequent bestritten wird. Erst dieses Miteinander ermöglichte den mit Sicherheit nicht für möglich gehaltenen Aufstieg der Rasse.

Flugvermögen hat sich bis heute erhalten

Wohl keine andere Farbentaubenrasse hat sich die ursprünglichen Feldflüchtereigenschaften so erhalten, wie die Süddeutschen Kohllerchen, und zwar sowohl die positiven als auch die negativen.

Dazu zählt an erster Stelle die Körperform, die unzweifelhaft an die einer kräftigen Feldtaube erinnert – ohne jegliche Formentaubenansprüche also. Das heißt, dass jegliche Extreme, in welche Richtung auch immer, nicht gewollt sind. Der Harmonie der Proportionen muss also unbedingt Aufmerksamkeit geschenkt werden. Probleme gibt es hin und wieder mit der Rückendeckung und der damit verbundenen Folgeerscheinung von deutlich sichtbarer Rückenfarbe. Beides muss genau im Auge behalten und mindestens unter der Wünscherubrik vermerkt werden.

Süddeutsche Kohllerchen sind ausnahmslos glattfüßig. Die Krallenfarbe ist dunkel und die Fußhaut bei Alttieren leuchtend rot. Jungtiere zeigen manchmal eine gräulich angelaufene Haut, was durch die Grundfarbe bedingt ist und auf jeden Fall toleriert wird.

Kopfprofil hat seine Tücken

Ein großes Betätigungsfeld ist die Kopfform der Kohllerche. Nur allzu gerne zeigen sie ein zu spitzes Gesicht mit nahezu keinem Stirnwinkel. Das ist nicht mehr in Ordnung. Mindestens ein leichter Stirnwinkel muss gefordert werden, ohne dabei gleich die Forderung nach einem breiteren Kopf ebenfalls auf die Tagesordnung zu stellen. Das behutsame Zusammenarbeiten von Züchtern und Preisrichtern trägt hier in den letzten Jahren tolle Früchte. Allzu rund ist der Oberkopf aber nicht. Von der Seite betrachtet ist der Kohllerchen-Kopf länglichrund. Anerkannt sind die Süddeutschen Kohllerchen nur glattköpfig – sie stellen damit zusammen mit den Süddeutschen Tigermohren ein Novum unter den süddeutschen Farbentauben dar. In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts tauchten bei der VDT-Schau in Sindelfingen (1997) auf einmal spitzkappige und sogar Tiere mit Rundhaube im Sichtungsverfahren auf. Dieser Weg wurde aber nicht weiter beschritten, wenngleich es beim Züchter Werner Knotz wohl noch immer solche Tiere gibt.

Leuchtend orangerot muss die Augenfarbe sein. Zart im Gewebe und unauffällig, der umgebenden Gefiederfarbe angepasst soll der Augenrand sein. Leider tendiert dieser immer wieder dazu, zu grob in der Struktur zu werden und noch aufzuhellen. Dies sieht natürlich alles andere als schön aus, zumal wir Tiere haben, die hierin vorbildlich sind. Bei Alttieren kann man etwas nachsichtiger sein, bei Jungtieren muss man die Messlatte höher legen. Deshalb ist bei der Zuchttierauswahl auf einen gut befiederten Augenrand zu achten.

Dunkelgrau ist die Schnabelfarbe und gleicht demnach der der Krallen. Bei einigen Tieren hellt die Schnabelfarbe von der Basis her auf, was natürlich alles andere als ideal ist.

Grautöne bestimmen das Farbspiel

Die Süddeutsche Kohllerche wird farblich von verschiedensten Grautönen geprägt, sodass man vielleicht den Eindruck haben könnte, dass dies kaum Anreize bietet Doch weit gefehlt: Das Zusammenspiel der Farbnuancen ist alles andere als leicht zu erreichen und doch so immens wichtig, will man die Pfeilspitzzeichnung auf dem gesamten Flügelschild erhalten. Deshalb ist die Grundfarbe auch dunkelgrau und nicht schwarz. Je gleichmäßiger die Farbe ist, desto wertvoller ist sie. Vor allem im Schenkelbereich sieht man gerne etwas bläuliche Stellen, die nicht allzu sehr ins Gewicht fallen dürfen. Die Feder ist nämlich nur zu etwa 2/3 dunkelgrau, das Untergefieder und auch ein Teil der Federfahne sind bläulich. Man könnte die dunkelgraue Farbe nämlich auch als Zwischending zwischen der Grundfarbe dunkelgehämmerter und dunkler Tauben beschreiben. Ideal ist es, wenn die Kopffarbe im gleichen Farbton gehalten ist. Vor allem die Wangen tendieren aber immer dazu, etwas aufzuhellen. Im schlimmsten Fall zeichnen sich richtig blaue Wangen ab, die man nicht tolerieren darf. Achten sollte man auch auf die Stirnfarbe, die gerne eine braune Säumung zeigt. Schon alleine daran sieht man, dass eine gleichmäßige und reine Kopffarbe sehr hoch in der Züchtergunst stehen.

So dunkel wie möglich sind die Schwingen und wiederum dunkelgrau die gesamte Schwanzfarbe, wobei sich eine schwarze Schwanzbinde noch deutlich abheben muss. Bezüglich der Schwanzdeckfarbe sieht man immer wieder Tiere, die eine schwärzliche Säumung auf einigen Federn zeigen. Dies sind genauso Folgeerscheinungen einer sehr dunklen Grundfarbe wie die auslaufende Schwanzbinde, die nicht wenige Tiere zeigen. Während die Schwanzdeckfarbe rein gefordert wird, braucht bezüglich der Schwanzbinde nicht der höchste Maßstab angelegt werden.

Schwarz oder sagen wir besser anthrazitfarben sind die Flügelschilder. Davon heben sich die hellgrauen Pfeilspitzen deutlich ab. Die Pfeilspitzfarbe steht in direktem Zusammenhang zur Rückenfarbe, die ebenfalls hellgrau gefordert wird. Eine dunkle Rückenfarbe führte auch zu dunklen Pfeilspitzen und damit zu fehlendem Kontrast. Glanz in jeglicher Form war in früheren Zeiten eigentlich fast verpönt. Heute ist man hierin viel großzügiger. Ja, es gefällt sogar, wenn die Kohllerche Glanz zeigt. Da die meisten Tiere über üppige Schmalzkiele im Bereich der Flanken verfügen, ist dies auch kein Problem.

Lerchungskennzeichen: Ockerbrust

Damit man sie als richtige Lerchenrasse ansprechen kann, zeigen die Süddeutschen Kohllerchen natürlich die so genannte Ockerbrust. Die Gruppenzugehörigkeit ergibt sich nämlich aus der Brustfarbe und keinesfalls aus der Schildzeichnung wie vielfach angenommen wird. Das gilt auch für den gelerchten Farbenschlag, der bei mehreren Rassen anerkannt ist. Denn dort sind es eigentlich blaufahl-gehämmerte Tauben mit Ockerbrust.

Die Brustfarbe der Kohllerche ist natürlich nie so hell ockerfarben wie beispielsweise bei der Coburger Lerche. Die Verdunkelung der Grundfarbe hat auch Einfluss auf die Brustfarbe, die mehr kupfrig-ockerfarbig, dabei aber leuchtend und glanzreich erscheint. Aufpassen muss man, dass die Farbe rein und keinesfalls mit Ruß durchsetzt ist. Ideal wirkt es, wenn die „Ockerbrust“ in die Hals- und Unterbrustfarbe verläuft, ohne klare Grenzen zu bilden. Eine auslaufende Ockerbrust, also Farbe bis hinter die Schenkel, stellt dabei einen groben Fehler dar. Vor allem bei den Täubinnen ist dies alles andere als leicht zu erreichen. Tritt eine auslaufende Ockerbrust auf, so folgt eine melierte Stirnfarbe auf dem Fuß – es besteht also ein Zusammenhang.

Schildzeichnung als Blickfang

Bei den Tieren, die nach dem 2. Weltkrieg vorhanden waren, konnte man sich wahrscheinlich nicht vorstellen, was im Hinblick auf die Schildzeichnung einmal erreicht werden würde. Die große Masse der Tiere zeigt heute eine feine Pfeilspitzzeichnung über das ganze Schild und braucht sich diesbezüglich hinter den gleich gezeichneten Silberschuppen auf keinen Fall verstecken. Sie ergibt sich aus großen schwarzen Schuppungsovalen, sodass nur noch eine kleine hellgraue Federspitze übrig bleibt: Je schärfer die Begrenzung ist, desto exakter tritt sie in Erscheinung. Es ist klar, dass die Zeichnung eine harte Feder benötigt, sodass im Schulterherz, wo die Feder weicher ist, zumeist nur noch eine Säumung auftritt. Dies muss jedem klar sein, der sich mit der Rasse beschäftigt.

Aufpassen muss man, dass die Pfeilspitzzeichnung wirklich über das ganze Schild verläuft und im Bereich des Flügelbugs kein Zeichnungsloch entsteht. Wird die Grundfarbe zu dunkel, ist dies die Folge. Der Züchter ist also ständig um den Ausgleich bemüht, die Grundfarbe so dunkel wie möglich zu erreichen und dabei die Pfeilspitzzeichnung so umfangreich wie nötig zu halten. Was sich hier so leicht anhört, ist züchterisch alles andere zu verwirklichen.

Anmerken muss man noch, dass die Täubinnen immer gröber in der Zeichnung sind, als die Täuber. Mit dieser Eigenart muss man vertraut sein, will man Süddeutsche Kohllerchen korrekt beurteilen und für die Zucht auswählen. Tut man es nicht, hat man auf einmal nur noch Täuber zur Verfügung – die Täubinnen wurden aufgrund der gröberen Zeichnung ausselektiert.

Züchter halten zur Stange

In den letzten Jahren hat sich die Züchterbasis der Süddeutschen Kohllerchen stetig vergrößert. Dabei handelt es sich oft um ehemalige Brieftaubenzüchter oder auch Züchter, die auf der Suche nach einer unkomplizierten Rasse sind und dabei nicht enttäuscht werden. Vielfach sieht man Süddeutsche Kohllerchen auch noch im Freiflug und selbst zum Feldern kann man sie noch erziehen. Dennoch fühlen sie sich auch in Volieren wohl und können dort ohne Einschränkungen erfolgreich gezüchtet werden.

Wie bereits erwähnt sollte man mit der Selektion warten, denn im Jugendgefieder sind sie sehr schlicht und Fehler in der Zeichnung beziehungsweise der Ockerbrust, die noch gar nicht ausgefärbt ist, lassen sich nicht erkennen. Die Mauser ist also unbedingt abzuwarten und damit genügend Platz für die Jungtiere einzuplanen.

Während die meisten Farbentaubenrassen zum Teil recht aufwändig geputzt werden müssen, entfällt dies bei den Süddeutschen Kohllerchen. Vielleicht ist es auch die Ursache, dass man sie ohne weiteres als ideale Rasse für den Jungzüchter aber auch den gestandenen Züchter empfehlen kann, der nicht mehr über die ruhige Hand verfügt.

Ich hoffe, dass ich es geschafft habe, das Interesse an unseren Süddeutschen Kohllerchen zu wecken und vielleicht vorhandene Vorurteile zu zerstreuen – den verdient haben sie es allemal, dass man sich mit ihnen beschäftigt.

Wilhelm Bauer

 

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Autor: admin
Datum: Donnerstag, 3. März 2011 17:00
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