“Alte Liebe rostet nicht!” Die belatschten Süddeutschen Mönchtauben

Ja, sie sind mir ans Herz gewachsen, die belatschten Süddeutschen Mönchtauben oder “Biberacher Schecken”, wie sie auch heute noch gerne genannt werden; in der alten Fachliteratur zumeist unter diesem Synonym gefunden werden.
Fünf Jahre hatten sie in meinen Schlägen eine Heimstatt und noch gerne erinnere ich mich an diese unkomplizierte und ruhige Farbentaubenrasse.

Wir in Deutschland haben nicht weniger als fünf rein mönchgezeichnete Farbentaubenrassen, wobei vier Stück in Deutschland und eine in der Eidgenossenschaft der Schweiz erzüchtet wurden. Dies sind die belatschten Rassen der Süddeutschen (Biberacher Schecken) und Sächsischen Mönchtauben und die glattfüßigen Rassen der Süddeutschen (Ulmer Schecken), Thüringer und Thurgauer Mönchtauben.
Wenn ich nur die deutschen Mönchtaubenrassen betrachte, dann liege ich mit Sicherheit nicht falsch, wenn ich die belatschten Süddeutschen Mönche als die Verbreitetsten bezeichne, dicht gefolgt von den Sächsischen.
Es muss schon einen Grund haben, wenn die belatschten Mönchtauben, die durch dieses Merkmal ein Mehr an Pflegeaufwand erfordern, beliebter als die Glattfüßigen sind. Und um ehrlich zu sein, die etwas kompaktere Erscheinung, wesentlich hervorgerufen durch die Federfüßigkeit, den Sockel, passt ungemein zur Mönchtaube – nomen est omen – ein Schelm, wer Schlimmes dabei denkt!

Die “Mönchfigur”

Wie die meisten süddeutschen Farbentauben soll auch der Mönch eine kräftige, veredelte Feldtaubengestalt aufweisen – und das tut er im wahrsten Sinn des Wortes.
Obwohl er recht kräftig ist, zeigt er dennoch einen nicht zu verachtende Eleganz. Vorbei die Zeiten, in denen man die “Bernburger-Typen” noch sah. Es sollte sich nun auch in den letzten Winkel herumgesprochen haben, dass man sich mit einer Aussage in diese Richtung eher disqualifiziert, als besondere Fachkenntnis auszustrahlen. Unterstrichen wird der Eindruck des Kräftigseins durch die nicht zu lange, aber gut überbaute, also dichte und abgedrehte Fußbefiederung. Gerade in der Fußbefiederung sind die Süddeutschen Mönche am ausgeglichensten unter allen süddeutschen Farbentauben – wahrscheinlich ein positives Erbe der Bernburger Trommeltauben.
Dass der Hals nicht zu fein erscheinen darf, scheint verständlich. Und dennoch ist auf eine Verjüngung zum Kopf hin, hervorgerufen durch den eleganten Kehlschnitt, zu achten, um ihn nicht plump wirken zu lassen.

Die Kopfpunkte

Überaus harmonisch, in einem gewölbten Bogen, soll sich die breite Stirnpartie nach den Schnabelwarzen erheben. Der Hinterkopf wird umrahmt von der frei stehenden, hoch sitzenden Rundhaube, die seitlich in Rosetten ausläuft. Namentlich an die Rosetten kann man schon hohe Anforderungen stellen. Der Schnabel ist hell und darf keinerlei Pigmenteinlagerungen aufweisen. Ein lebhaft durchbluteter Schnabel, oft verbunden mit einem roten Augenrand, ist dagegen gern gesehen. Obwohl der Augenrand von hell bis rot toleriert wird, streben wir ihn rot an. Mit Ausnahme des schwarzen Farbenschlages, wo er in einer Zucht vorhanden ist, sind wir aber noch auf der Wegstrecke, wenngleich erfreuliche Tendenzen zu erkennen sind. Nun gilt es dies, durch eine fördernde Bewertung zu stärken. Das Auge selbst ist dunkel.

Die namengebende Zeichnung

Bis auf minimale Abweichungen in der Schwingenzahl, ist die Mönchzeichnung bei allen Farbentaubenrassen gleich: Weiß ist der Kopf, das gesamte Schwanzgefieder also inklusive -decke und Keil, beiderseits sieben bis zehn Handschwingen und die Fußbefiederung. Der Rest ist farbig.
Aus meiner Erfahrung und Gesprächen mit langjährigen Mönchzüchtern kann ich sagen, dass die auf den ersten Blick vielleicht komplizierte aussehende Mönchzeichnung recht konstant vererbt wird, und zumeist nicht die enormen Schwankungen in der Schwingenzahl wie beispielsweise die Schildtauben aufweisen.
Die Kopfzeichnung soll in einem leicht geschwungenen Bogen von der Kehle zur Haube laufen. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass sich kein “Mini-Latz” bildet, was rigoros abzustrafen wäre.
Ob der Rückenschnitt nun eine Idee höher oder tiefer verläuft ist zweitrangig. Vielmehr sollte er hauptsächlich gerade sein. Am After ist darauf zu achten, dass sich kein so genanntes Afterweiß einschleicht. Man braucht nicht zu suchen, was der Kleinkrämerei gleichkäme. Vielmehr dreht man die Taube bei der Bewertung um, so dass die Schwanzpartie vom Körper des Betrachters weg zeigt. Sieht man so bei der Draufsicht kein Afterweiß, so ist auch nichts zu beanstanden.

In diesem Zusammenhang noch ein Hinweis für Züchter und Preisrichter: Mönche, die ein paar farbige Keilrandfedern zeigen, haben höchst selten Probleme mit dem Afterweiß. Man tut, als Züchter also gut daran, darauf zu achten. Dem Preisrichter ist zu raten, die zwei bis drei Federchen auf der Keilseite zwar zu sehen, dies aber auf keinen Fall als Mängel zu vermerken – er würde sich dem Gespött der Mönchzüchter und jedem in der Farbentaubenzucht Versierten aussetzen.
Gleich sieht es mit eventuell ein paar farbigen Handschwingendeckfedern aus. Auch sie sind eine Farbstoffreserve und können geduldet werden.
Über die Daumenfederfarbe gibt der Standard nichts Spezielles, tiefer gehendes her. Doch sind sie im üblichen Rahmen farbig, was auch zu begrüßen ist

Die Farbenschläge

Seit längerer Zeit sind die belatschten Süddeutschen Mönchtauben in den gleichen Farbenschlägen anerkannt, und zwar schwarz, rot, gelb, blau, sowie blau und schwarz mit weißen Binden oder weißer Schuppung.
Die in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts kurz auftauchenden Blaufahlen mit weißen Binden und die so genannten “Rot- und Gelbschimmel” sind wieder in der Versenkung verschwunden, aus der sie entstiegen sind und nie zu Standardehren gelangt.

Die drei Lackfarbenschläge wünscht man sich möglichst satt. Die Schwarzen sind zurzeit wohl am höchsten im Zuchtstand, wenn man die ausgestellten Tiere sieht. Beste Farbe, volle Hauben und schon deutliche Tendenzen in Richtung roter Augenrand lassen hoffen. Auch in den Figuren sind sie absolut bestechend. Wenn jetzt die Rosetten noch eine Idee markanter werden, stehen sie vollends im Zenit. Dass mit einer abgesetzten Bauchfarbe wirklich gar nichts mehr zu holen ist, ist beim Zuchthochstand verständlich.

Einen riesigen Schritt nach vorne haben die Schwarzen mit weißen Binden gemacht. Waren vor Jahren kaum sechs bis acht Tiere bei den Hauptsonderschauen zu sehen, so sieht man derzeit bis zu 30 Tiere. Eine Wucht und ein Zeichen, was engagierte Züchter zu leisten im Stand sind. Während die einen in Bindenführung und Kopfpunkten vorne liegen, hat die andere Richtung die bessere Farbe und Figuren. Wie ich die Züchter einschätze, bringen sie das aber auf eine Linie, worauf wir uns freuen können.
Obwohl wir jetzt eine deutliche Richtung vorzugeben angehalten sind, darf man meines Erachtens nicht das Kind mit dem Bad ausschütten und die erfreulichen Tendenzen durch eine sehr harte Bewertung wieder zerstören. Der aparte Farbenschlag und seine sympathischen Züchter hätten es nicht verdient.

War früher der Alois Bögle aus dem allgäuischen Markt Rettenbach der einzige, der die Schwarz-Weißgeschuppten hin und wieder zeigte, so hat sich auch dies gewandelt. Er hat ein paar Mitstreiter gefunden. Zwar nicht viele, aber erfreulich ist es trotzdem.
Man wünscht sich eine gleichmäßige keilförmige Schuppung. Ist das Flügelschild schon zu weiß, hebt sich das Herz nahezu weiß ab und es zeigen sich weiße Federspitzer am Vorder- und Hinterhals; von zum Teil starker Flankenzeichnung gar nicht zu reden. Nehmen wir lieber etwas weniger Weiß im Flügel im Interesse einer reinen und satten Grundfarbe in Kauf. Die jetzigen Züchter sind sich ihrer Sache bewusst und arbeiten auch mit den nötigen Paarungspartnern, den Schwarzen mit weißen Binden, am weiteren Erfolg dieses sehr schönen aber auch schwierigen Farbenschlages.

In einem unverständlichen Qualitätstief sitzen zurzeit die Roten. Waren sie bis vor drei bis vier Jahren von allen Farbenschlägen am weitesten und besten in den Rassemerkmalen, sind sie heute nur noch Mittelmaß. Hier muss man wieder an bessere Zeiten anknüpfen. Die Farbe fordert man auch bei ihnen lackreich, jedoch ohne die verpönte Haarfederbildung im Bindenbereich allzu stark in Erscheinung treten zu lassen. Dass es geht, lackreiche Rote mit absolut fester und glatter Feder zu züchten, wurde bewiesen. In den Kopfpunkten dürften sie ebenfalls wieder eine Idee fester, straffer werden.

Das gilt auch so für die Gelben. Vielleicht ist es bei ihnen noch eine Idee schwieriger die straffe Schildfeder zu erreichen, aber möglich ist es. Ob der gelbe Farbton nun eine Nuance heller oder dunkler ausfällt, sollte uns nur soweit interessieren, dass eine gleichmäßige Färbung erreicht wird.Man kommt nicht umhin, diesen beiden traditionellen Farbenschlägen einen möglichst raschen Aufstieg aus der Talsohle zu wünschen.

Die letzte Farbgruppe ist die der Blaugrundigen. Die Blauen ohne Binden sind der seltenste aller Farbenschläge bei den belatschten Süddeutschen Mönchtauben. Sie wurden erst zu späterer Zeit wieder erzüchtet, obwohl sie laut Standard anerkannt waren.
Bedingt durch die Seltenheit kommt man nicht umhin, bei ihnen zuerst die Vorzüge anzumerken, um die wenigen Züchter nicht vollends zu verlieren. Zuerst ist der exakte Haubenaufbau zu nennen, der durch feine Rosetten besticht. Darüber hinaus sind rote Augenränder bei ihnen fast die Regel. Auch ist die reine Deckenfarbe, ohne den verpönten Pfeffer in der Bindengegend, durchaus als äußerst lobenswert einzustufen. Es ist selbstverständlich, dass die Täubinnen in der Farbe etwas dunkler sind.
Probleme, beziehungsweise förderungswürdige Zuchtziele sind vor allem die Mönchzeichnung, die gerne am Kopf reichlich groß wirkt und am After gerne zu knapp geschnitten ist. Afterweiß, also die logische Konsequenz. Damit einher geht die noch oft zu stark absetzende Bauchfarbe, namentlich bei den Täubinnen. Hier gilt es dann natürlich zuchtstandbezogen abzuwägen und kleinste Zuchtfortschritte zu honorieren. Als letzten Punkt möchte ich die Haubenfülle anmerken. Natürlich ist sie bei blauen Farbenschlägen mit der straffen Feder nie so voll wie beispielsweise bei den Lackfarbenschlägen. Und dennoch könnte mehr vorhanden sein, wie man bei den anderen blauen Farbenschlägen sieht. Warten wir ab, was die Zukunft bringt.

In einer ungeheuren Qualitäts- und Quantitätsdichte finden wir die Blauen mit weißen Binden. Oftmals sind nur noch kleine Wünsche in der Bindenführung und -länge ausschlaggebend. Die Farbe ist zumeist tadellos und auch in den Kopfpunkten stehen sie nicht nach, mit den bedingten Einschränkungen der strafferen Feder. Die Binden an sich müssen lang, gezogen und am Rücken getrennt erscheinen. Gefordert wird ein schmaler schwarzer Bindensaum, der vor allem bei den Täubinnen gerne unschön breit wird. Dieser Farbenschlag ist in jungen Züchterinnen- und Züchterhänden, so dass uns um den Fortbestand nicht bang zu sein braucht. Vielleicht finden noch mehr zu diesem attraktiven Farbenschlag. Es wäre nicht der erste, der durch einen Hochstand verstärkt neue Züchter findet.

Den Schluss stellen die Blau-Weißgeschuppten, die natürlich vom Hochstand der Vorherigen profitieren. Werden sie regelmäßig, um einen zu hohen Weißanteil des Flügels zu vermeiden, doch mit ihnen verpaart. Auch hier wünscht man sich die Schuppung keilförmig, dazu noch schwarz gesäumt. In der Schuppungsanlage sind sie typischer als die Schwarz-Weißgeschuppten, was wohl mit der härteren Feder der Blaugrundigen zusammenhängt.
Leider stellen die Blau-Weißgeschuppten immer den Zweitfarbenschlag zu den Blauen mit weißen Binden und nicht umgekehrt, so dass sie in den Stückzahlen immer geringer anzutreffen sind. Trotzdem kann man von der hohen Qualität immer wieder überzeugt sein.

Für jeden etwas!

Aufgrund der diversen Schwierigkeitsgrade der verschiedenen Farbenschläge kann der Interessierte unter den belatschten Süddeutschen Mönchen durchaus seine züchterische Erfüllung finden. Hinzu kommt die für süddeutsche Farbentauben etwas außergewöhnliche, so angenehme ruhige Vertrautheit, gepaart mit einer großen Zuchtfreudigkeit.

Wilhelm Bauer

 

 

 

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Autor: admin
Datum: Mittwoch, 2. März 2011 15:40
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