Dunkelste aller Lerchenrassen: Die Süddeutsche Kohllerche

Die Süddeutsche Kohllerche ist für den Laien zumeist eine recht schlichte und dadurch unattraktive Rasse. Dass dem nicht so ist und die Rasse ihre Zuchtschwierigkeiten aufweist, soll Inhalt dieser Veröffentlichung sein. Es ist richtig, dass die Süddeutschen Kohllerchen mit ihrem Zierrat nicht so “protzen” wie beispielsweise die beiden anderen deutschen Lerchenrassen – die Nürnberger und Coburger Lerchen. Und doch haben die Süddeutschen Kohllerchen einen sehr konstanten Züchterkreis der sich mit der nötigen Vehemenz und zuweilen auch Fanatismus der Rasse verschrieben haben.

Obwohl die Süddeutschen Kohllerchen schon recht lange bekannt sind, wie aus der entsprechenden Fachliteratur zu entnehmen ist, sind sie erst relativ spät zu Standardehren gekommen, nämlich 1951. Bis dato waren die “Schwarzlerchen” echte Bauerntauben gewesen, die immer wieder bei Ausstellungen gezeigt und bewertet wurden, die Standardanerkennung allerdings versagt blieb. So kann es auch nicht verwundern, dass bei der ersten Sonderschau des damals neugegründeten Vereins der Züchter süddeutscher Farbentauben im Jahr 1948 die ausgestellten Süddeutschen Kohllerchen auf etwas Verwunderung stießen. Nur Karl Bohler, der langjährige 2. Vorsitzende des VDT, konnte sich noch schwach an die Rasse erinnern. Dem Bestreben der damals führenden Köpfe ist es zu verdanken, dass die Züchter unserer Süddeutschen Kohllerchen damals auf eine Linie gebracht wurden und die Kohllerche schlussendlich zu Standardehren kam. Denn wie die Kohllerchen zu dieser Zeit aussahen, ließ den Namen “Lerche” kaum zu. Es handelte sich um nahezu schwarze Tauben die über eine leuchtende Ockerbrust verfügten, die sich nahezu über den gesamten Bauch ausdehnte. Die Lerchenzeichnung auf dem Flügelschild war fast nicht vorhanden und wenn, dann nur im Bereich der Binden. Der umgangssprachliche Name “Schwarzlerche” war also wohl gerechtfertigt. Wenn vor zirka einem Jahr in einer deutschen Fachzeitschrift ein Bild einer sogenannten Kalifornischen Feldtaube abgebildet war, dann musste ich feststellen, dass es sich dabei um eine Süddeutsche Kohllerche des alten Erscheinungsbild handelte – also nahezu schwarz mit ockerfarbiger Brust und Bauch. Unter Umständen hat sie ein Züchter über den großen Teich mit in die neue Heimat genommen oder aber sie gelangten erst in neuerer Zeit in die Vereinigten Staaten und wurden dann züchterisch vernachlässigt, denn dann sehen sie auch so aus.
Auf jeden Fall war es Wilhelm Reichle der sich maßgebend und federführend um die Standardausarbeitung für die Süddeutschen Kohllerchen machte. In Absprache mit den anderen “Farbentaubengrößen” im Württembergischen wurde festgelegt, dass die ansatzweise vorhandene Lerchenzeichnung über das ganze Flügelschild verteilt erscheinen muss, um die Bezeichnung “Lerche” zu rechtfertigen. Im Ganzen wurde ein Standard geschaffen, der aus der ehemaligen Bauerntaube “Schwarzlerche”, die überaus feingezeichnete Süddeutsche Kohllerche entstehen ließ.
Dass dieser Züchtungsprozess sehr langwierig und schwierig war, steht außer Frage. Doch lässt das heutige Erscheinungsbild die vielen Mühen gerne vergessen.

Der Gesamteindruck

Die Süddeutsche Kohllerche ist in ihrem Erscheinungsbild ihrem Ursprung treugeblieben, das heißt, sie präsentiert sich uns in einer kräftigen Feldtaubenform. Auch die Kopfform, die länglichrund mit einem harmonischen Stirnanstieg ist, weißt auf ihren Ursprung hin. Verstärkte Beachtung sollte man der Kopfform und hier vor allem der Stirnpartie schenken. Durch zahlreiche Einkreuzungen, die sicher ihren Erfolg zum heutigen Hochstand der Süddeutschen Kohllerchen beigetragen haben, ist gerade dieser Punkt nicht immer ideal. Zuweilen sieht man recht spitze Köpfe, also Kopfprofile, die nahezu ohne jeglichen Stirnansatz von der Schnabelwurzel in Richtung Scheitel gehen. Darüber hinaus ist die Süddeutsche Kohllerche grundsätzlich glattköpfig. Die im Sichtungsverfahren 1997 gezeigten Rundhaubigen und Spitzkappigen Süddeutschen Kohllerchen sind meines Wissens wieder verschwunden beziehungsweise werden wohl nicht zur Anerkennung gebracht. Im Grund sind unsere Kohllerchen mit den Tigermohren die einzigen süddeutschen Farbentaubenrassen, die über keinerlei Kopfputz verfügen. Es würde bei diesen Rassen auch kein zusätzlicher Effekt erreicht, so dass wir uns mit dem vorhandenen zufrieden geben können. Das Auge soll lebhaft orangefarbig und von einem schmalen, unauffälligen Augenrand umgeben sein. Gerade hierin besteht zuweilen noch erhöhter Nachholbedarf. Während die Iridenfarbe in letzter Zeit wieder besser geworden ist, scheint man in punkto Augenrand in manchen Zuchten nicht so recht nach vorne zu kommen. Auf jeden Fall sind grobe, zumeist auch noch helle Ränder, die dann wie eine “Brille” wirken, grobe Fehler und dementsprechend bei der Zucht und bei Ausstellungen zu berücksichtigen. Keine Probleme bereiten die glatten Beine, die Schnabel und Zehennagelfarbe, die ausnahmslos dunkel erscheinen müssen.

Farbe und Zeichnung

Recht unterschiedlich ist das Farbspiel der Süddeutschen Kohllerche. Als Grundfarbe, einschließlich der Hals- und Kopffarbe, wünscht man sich ein gleichmäßiges dunkelgrau. Gerade am Kopf bilden sich gerne helle Backen, die dann natürlich zu beachten und nötigenfalls auch zu strafen sind. Auch das Schwanzgefieder wird dunkelgrau gewünscht, doch erscheint es wie bei allen “blaugrundigen” Taubenrassen in einem etwas anderen Farbton, bei den Süddeutschen Kohllerchen meistens etwas heller, denn die geforderte dunkle Schwanzbinde muss auf jeden Fall sichtbar sein. Helle Außenfahnen der Ortfedern sind, ist man sich der Farbgrundlage der Süddeutschen Kohllerchen bewusst, kein Fehler, ja unabdingbar.
Charakteristisch ist die Lerchenzeichnung auf dem schwarzen Flügelschild, die durch die kleine helle Pfeilspitze an jedem Federende gebildet wird. Als Vergleich muss man die Pfeilspitzzeichnung der Silberschuppe heranziehen, nur das bei diesen die Pfeilspitzzeichung schwarz auf silbernem Grund ist. Bei der Kohllerche ist die Pfeilspitze jeweils hellgrau und hebt sich deshalb markant von der Schildgrundfarbe ab. Bedingt durch die unterschiedliche Härte der Federn auf dem Flügelschild, ist auch die Ausprägung der Pfeilspitzen unterschiedlich. Auf einer harten Feder ist die exakte Forderung nach “scharfen” Pfeilspitzen recht einfach zu erreichen, auf weicheren Federn hingegen fast unmöglich, so dass sich der Pfeilspitz hier eher zu einer Art Säumung reduziert. Für die Süddeutsche Kohllerche heißt das, dass der Flügel recht gut gezeichnet erscheint, das Schulter- und Herzgefieder aber zumeist nur eine Art Säumung aufweist. Auf jeden Fall muss die Forderung nach einem durchgezeichneten Flügelschild weiterhin Priorität genießen, vorausgesetzt, die anderen Punkte werden nicht vernachlässigt. Wie bei allen pfeilspitzgezeichneten Rassen (Silberschuppe und Unterarten, kupferfarbene Weißschwänze …) ist auch bei der Süddeutschen Kohllerche die Täubin naturgemäß etwas gröber in der Zeichnung als der Täuber. Züchterisch als Balanceakt kann man die beiden Punkte Intensität der Grundfarbe und durchgezeichnetes Flügelschild beschreiben. Denn wird die Grundfarbe zu dunkel, wird die Pfeilspitzzeichnung löcherig und ungleichmäßig. Dies geschieht vor allem im Bereich des Flügelbugs, da die Federchen und damit auch die Pfeilspitze sehr klein ist. Dies trieb zuweilen schon solche Blüten, dass dieses nicht gewünschte Zeichnungsmerkmal von den Züchtern und Preisrichtern nach einem Züchter benannt wurde, bei dem es in der Zucht häufig auftrat.
Wird die Grundfarbe hingegen zu hell, wird die Pfeilspitzzeichnung zu grob und tendiert schon in Richtung Hämmerung. Wie wir sehen, sind beide Extreme nicht der richtige Weg, sondern wie so oft, die “goldene Mitte.”
Eng im Zusammenhang mit der schönen hellgrauen Pfeilspitzzeichnung steht die Forderung nach einem hellgrauen Rücken. Früher wurde ein dunkelgrauer Rücken gefordert, der dann auch die Pfeilspitzzeichnung eher dunkel und in keinem so schönen Kontrast zur Schildgrundfarbe erscheinen ließ. Heute hingegen schauen wir auf eine gute Rückendeckung der Süddeutschen Kohllerche, denn dann ist der hellgraue Rücken unsichtbar und wir haben die kontrastreiche Schildzeichnung. Wie aus der bisherigen Beschreibung ersichtlich, ist die Süddeutsche Kohllerche eine Rassetaube, bei der verschiedene Grautönungen zusammenkommen. Im Gegensatz dazu steht die leuchtende Ockerbrust. Diese soll idealerweise im Farbton der Coburger Lerche sein, wenngleich man anführen muss, dass dies wohl immer mehr oder weniger Wunschdenken sein wird. Wenn die Färbung nicht zu dunkel, also kupfrig wird, sind wir zufrieden. Im Vergleich zu manchen Zeichnungsmerkmalen anderer Farbentaubenrassen, die möglichst scharf begrenzt erscheinen sollen, ist dies bei der Ockerbrust der Kohllerche nicht gewünscht. Diese soll nämlich in die Hals- und Unterbrustfarbe verlaufen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass sich im Schenkelgefieder oder gar hinter den Schenkeln kein Ockerfarbstoff mehr befindet. Vor allem Täuber müssen hierin rein sein, während man bei der Täubin etwas nachsichtiger sein darf.
Oft ist zu sehen, dass bei Tieren mit zu viel Ocker, zumeist hinter den Schenkeln, die Stirnfarbe nicht mehr gleichmäßig dunkelgrau, sondern bräunlich-meliert erscheint. Dies ist ein Fehler und dementsprechend zu berücksichtigen.

Thüringer Feldlerche – Süddeutsche Kohllerche – Kalifornische Feldtaube

Wenn ich zu den beiden bisher erwähnten Rassen noch die Thüringer Feldlerche ins Spiel bringe, so hat das seinen Grund. Die Thüringer Feldlerchen wurden unter der Bezeichnung “Felderche” bei Ausstellungen gezeigt. Wenn wir uns ihr Farbspiel ansehen, wird uns auffallen, dass sie wohl in genauso engem Zusammenhang mit der Süddeutschen Kohllerche zu sehen ist, wie die Kalifornische Feldtaube. Alles was bei der Süddeutschen Kohllerche dunkelgrau erscheint, ist bei der Feldlerche hellgrau. Durch den stärkeren Pigmentverlust der Grundfarbe, zeigt sich bei dieser Rasse keine feine Pfeilspitzzeichnung sondern eine mehr oder weniger grobe Hämmerung. Wo die Feldlerchen geblieben sind oder ob sie vielleicht im verborgenen noch vorhanden sind, ist mir nicht bekannt. Aufgefallen, und das negativ, ist mir allerdings, dass Süddeutsche Kohllerchen die viel zu hell waren, also schon fast Feldlerchen darstellten, bei Ausstellungen außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebietes hochprämiiert wurden. Die Kohllerche steht mit ihrer dunkelgrauen Grundfarbe also genau zwischen Feldlerche und sogenannter Kalifornischen Feldtaube. Wer sich ein Bild der Feldlerche machen will, dem sei die Lektüre “Handbuch der Taubenrassen – Taubenrassen der Welt” von Schütte, Stach und Wolters zu empfehlen. Dort ist auf Seite 264 eine Feldlerche abgebildet. Im Gegensatz dazu ist die Grundfarbe der Süddeutschen Kohllerche auf Seite 248 zu sehen, die allerdings in der Pfeilspitzzeichnung viel zu verwaschen erscheint.

Wilhelm Bauer

 

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Autor: Wilhelm Bauer
Datum: Dienstag, 1. März 2011 19:46
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